Tesla-Fabrik in Grünheide eröffnet: Was ändert sich jetzt am Immobilienmarkt?

Nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit eröffnete Teslas erste Giga-Factory in Europa am 22. März offiziell ihre Produktion. Eine neue Analyse zum Markt für Logistikflächen bezieht die Tesla-Ansiedlung erstmals mit ein. 

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Nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit eröffnete Teslas erste Giga-Factory in Europa am 22. März offiziell ihre Produktion. Eine neue Analyse zum Markt für Logistikflächen bezieht die Tesla-Ansiedlung erstmals mit ein. ...

Darauf haben viele Automobilfans lange gewartet: Am 22. März eröffnete Tesla seine Giga-Factory in Grünheide. Es ist die erste und bislang einzige Fabrik des Unternehmens in Europa. Tesla plant perspektivisch, in Grünheide jährlich 500.000 Fahrzeuge herzustellen. Eigentlich hatte die Produktion bereits im vergangenen Sommer starten sollen, doch die Genehmigung des Landes Brandenburg zog sich hin – auch weil Tesla eine Batteriefabrik in der Planung ergänzte. Bevor auch die in Betrieb gehen kann, muss das Unternehmen noch zahlreiche Auflagen erfüllen. Inzwischen sieht das Land Brandenburg dafür jedoch keine Hindernisse mehr

Konzernchef Elon Musk erschien zur Eröffnung persönlich an der Seite von Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Scholz und Habeck betonten, das Projekt unterstütze die Bemühungen der Regierung, Deutschland unabhängig von fossilen Energien zu machen. “Wir wollen klimaneutral werden und die Transformation anführen. Dafür brauchen wir Elektromobilität – sie ist die Mobilität der Zukunft”, schrieb Scholz später auf Instagram.

Scholz unterstrich, dass Ostdeutschland von der neuen Autofabrik profitiere. „Der Osten ist industriell vorne mit dabei“, sagte Scholz. Das Projekt gilt für Brandenburg und Ostdeutschland als Vorzeigemodell. Insgesamt soll nach früheren Unternehmensangaben eine „mittlere einstellige Milliardensumme“ investiert werden. Tesla plant in einer ersten Stufe mit rund 12.000 Beschäftigten. Perspektivisch will die Firma der größte Arbeitgeber im Bundesland werden. 

Nach der Eröffnung der Tesla-Autofabrik in Grünheide gibt es laut Dietmar Woidke rund um den Standort noch viel Arbeit. „Die Infrastruktur von Kita über Wohnen bis Bahnanbindung muss ausgebaut werden“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident. „Wir sind hier auf einem guten Weg, haben aber noch eine ordentliche Strecke vor uns.“ Die Autofabrik nahe Berlin bringe Tausende neue Arbeitsplätze. „Die Region um Grünheide wird sich verändern.“

Erhebung mit Berücksichtigung der Tesla-Ansiedlung erschienen

An Prognosen darüber, wie sich die Tesla-Ansiedlung auf die Immobilienmärkte in der Region um Grünheide und im Südosten Berlins auswirken könnte, gab es im letzten Jahr keinen Mangel. Harte Zahlen jedoch gab es aufgrund der fehlenden Betriebsgenehmigung bislang noch keine. Jetzt ist erstmals eine Erhebung zum Markt für Logistikflächen von Realogis erschienen, in der die Tesla-Fabrik berücksichtigt wird. 

Demzufolge übertrafen die Umsätze aller Marktteilnehmer zusammengenommen im ersten Quartal 2022 die des Vorjahresquartals um rund 211 Prozent – bei einem Flächenumsatz von 481.200  Quadratmetern. Das entspricht nahezu dem Gesamtjahresergebnis von 2020, das für die Metropolregion bei 480.700 Quadratmetern lag.

Teslas erste Giga-Factory in Europa eröffnete am 22. März offiziell ihre Produktion. Perspektivisch will die Firma der größte Arbeitgeber im Bundesland werden.
Realogis prognostiziert einen Engpass im Angebot größerer Logistikflächen am Berliner Industrie- und Logistikimmobilienmarkt, der bis ins Jahr 2024 anhalten könnte.

Gigantische Zahlen, die schiere Größe des Industrieprojekts Teslas überdecke allerdings “das reguläre Marktgeschehen und verhindert eine Vergleichbarkeit zu den Vorjahren”, kommentierte dieses Ergebnis Realogis-Geschäftsführer Ben Dörks. Aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf die Ergebnisse der Analyse ohne die Tesla-Ansiedlung. “Ohne Berücksichtigung der Tesla-Ansiedlung haben wir in insgesamt 31 Abschlüssen aller Marktteilnehmer einen Flächenumsatz in Höhe von 154.200 Quadratmetern beobachtet”, sagte Dörks.

Damit gibt es nach der Bereinigung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 0,5 Prozent sogar einen leichten Rückgang bei den Flächenumsätzen zu verzeichnen. Dennoch bewege sich das erste Quartal 2022 auf einem hohen Niveau. In der 7-Jahres-Betrachtung seit 2015 belegt es den zweiten Platz. Das spiegelt sich auch im 5-Jahresschnitt der ersten Quartale wider: Er liegt bei 129.130 Quadratmetern und wurde 2022 um 19,4 Prozent übertroffen

Realogis prognostiziert Engpass im Angebot von Logistikflächen

Realogis prognostiziert einen Engpass im Angebot größerer Logistikflächen, der bis ins Jahr 2024 anhalten könnte. “Bis vor zwei Jahren konnten wir noch jedes Großgesuch, das es in Deutschland gab, in Berlin platzieren”, sagte Dörks. Ab Mitte des Jahres würden sich Handel, Industrie und Logistik aber gedulden müssen. Dann trete nach Einschätzung des Unternehmens die Situation ein, “dass am Berliner Industrie- und Logistikimmobilienmarkt weder Bestands- noch Neubauflächen ab 5.000 Quadratmetern verfügbar sein werden.”

Betroffen sei nicht nur das Stadtgebiet, sondern erstmals auch das Umland Berlin. Für die momentan noch verfügbaren Flächen befänden sich die Beteiligten bereits in Gesprächen, so Dörks. Unternehmen würden “ein gutes Jahr beziehungsweise eineinhalb Jahre keine Chance mehr auf eine größere Flächenanmietung haben.” 

Experten erwarten, dass die Tesla-Ansiedlung auch auf dem Wohnungsmarkt zu einer Verknappung der Angebote führen wird. 40.800 neue Wohneinheiten müssten entstehen, um Teslas Angestellte in der Region unterzubringen. Ein Großteil der Nachfrage würde den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick treffen. Das schätzt das “Landesplanerische Konzept zur Entwicklung des Umfeldes der Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide (Mark)“.

Zudem würden sich im Gefolge von Tesla wohl ebenfalls Zulieferbetriebe, Logistiker und Dienstleister in Südostbrandenburg niederlassen. Konservativ geschätzt entstünden dadurch ebenso viele Arbeitsplätze wie bei Tesla selbst. Eine Erhebung, die den gerne so genannten “Tesla-Effekt” mit konkreten Zahlen belegt, gibt es bislang aber noch keine.

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