Startschuss bei Tesla-Fabrik in Grünheide: Die Testphase läuft

Noch vor Jahresende will Elon Musk die Arbeit in seiner Gigafabrik in Grünheide aufnehmen lassen. 

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Noch vor Jahresende will Elon Musk die Arbeit in seiner Gigafabrik in Grünheide aufnehmen lassen. Theoretisch ist immer noch möglich, dass der Autohersteller das Fertigungswerk wieder rückbauen muss. Hinter den Toren lief jetzt aber bereits der Testbetrieb an....

Ganz so schnell wie nach der Vorstellung Elon Musks ging es dann eben doch nicht: Eigentlich wollte der US-Unternehmer, dass seine Gigafabrik in Grünheide schon im Juli die ersten Elektrofahrzeuge montiert. Dass es anders kam, liegt an der berüchtigten Gründlichkeit deutscher Behörden, die den ultradynamischen Unternehmer ausgebremst haben wie der Feierabendverkehr einen Sportwagenfahrer mit Bleifuß. So hat Tesla fast sechs Monate später immer noch nicht alle Genehmigungen zusammen, die es für die Betriebsaufnahme benötigt.

Trotzdem brummt es bereits hinter den Toren des riesigen Fertigungswerks südöstlich Berlins, an dem vor weniger als zwei Jahren die ersten Bauarbeiten begannen. Tesla probt für den Ernstfall: Im ersten Testdurchlauf hat die Fabrik laut rbb-Bericht fünf unverkäufliche Elektro-Musterfahrzeuge des VW-Golf Konkurrenten “Model Y” produziert

Tesla plant, dass die Gigafabrik Grünheide in der ersten Ausbaustufe bis zu 500.000 Autos pro Jahr produziert, 12.000 Angestellte will der Autobauer in dieser Phase beschäftigten. Doch auch wenn die Fabrik sich nach der Testlaufphase wahrscheinlich betriebsbereit sieht, ist derzeit unklar, wann – und ob – es grünes Behördenlicht gibt. 

Damit die von Musk ersehnten Genehmigungen erteilt werden können, müssen die Einwände zahlreicher Kritiker an dem Bauprojekt geprüft und ausgeräumt werden. Vor allem Naturschützer und Anwohner zählen zu ihnen. Sie befürchten gravierende Folgen für Landschaft und Ökosystem. Ein zentraler Kritikpunkt ist der hohe Wasserverbrauch des Betriebs, der die begrenzten Reserven in der Region womöglich bedroht. 

Droht die Tesla-Fabrik zu scheitern?

Bedroht wird durch die Verfahren auch der Zeitplan des US-Milliardärs, der für solche Bedenken in der Vergangenheit wenig Verständnis gezeigt hat. Dass die Entscheidung noch in diesem Jahr fällt, gilt laut rbb aber immerhin als möglich. Noch im Dezember könnte Tesla den kommerziellen Betrieb demnach starten. 

Für den Fall, dass das Tesla-Werk in Grünheide tatsächlich keine Genehmigung bekommt, hat sich der Autobauer verpflichtet, die Fabrik rückzubauen und den ursprünglichen Zustand des Geländes wiederherzustellen. Die dafür vom Land Brandenburg vorgesehene Sicherheitsleistung in Höhe von 100 Millionen Euro sollte eigentlich auf einem Treuhandkonto liegen, so dass das Land darauf Zugriff hat. Eine Anfrage der WELT am Sonntag beim Brandenburger Umweltministerium hatte jedoch ergeben, dass nur Tesla selbst auf die Kaution zugreifen kann.

Das Land erachtet das Mittel trotzdem als ausreichend sicher. Das teilte es der Zeitung jedenfalls mit. Sowieso hat die Landesregierung kein Interesse daran, Tesla an Genehmigungsverfahren scheitern zu lassen. Rein rechtlich betrachtet ist ein kompletter Rückbau zwar dennoch denkbar.

Tesla hat auch fast sechs Monate nach geplanter Eröffnung immer noch nicht alle Genehmigungen zusammen, die es für die Betriebsaufnahme benötigt.

Aber vorstellbar ist er kaum. Musk hat in Grünheide längst neue Fakten geschaffen. Auch die Infrastruktur nimmt mittlerweile Gestalt an: Eine von Tesla selbst gebaute neue Autobahnabfahrt zur Tesla-Fabrik wurde Ende November eröffnet. 

Rund 40.800 neue Wohneinheiten

Das Projekt hat für Brandenburgs Landesregierung höchste Priorität. Es geht um die größte Industrieansiedlung in der Geschichte des Bundeslands. Tesla investiert südöstlich von Berlin gerundet stolze 4 Milliarden Euro und verspricht mittelfristig bis zu 40.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das US-Unternehmen würde damit zum größten Arbeitgeber in Brandenburg werden – mit Abstand. 

Am Wohnungsmarkt würde die Nachfrage weiter steigen. Für Teslas Angestellte müssten 40.800 neue Wohneinheiten entstehen, ein Großteil der Nachfrage würde den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick treffen. Das schätzt das “Landesplanerische Konzept zur Entwicklung des Umfeldes der Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide (Mark)“.

Zudem würden sich im Gefolge von Tesla wohl ebenfalls Zulieferbetriebe, Logistiker und Dienstleister in Südostbrandenburg niederlassen. Konservativ geschätzt entstünden dadurch ebenso viele Arbeitsplätze wie bei Tesla selbst. Schon der neue Flughafen ist ein Großprojekt, das der Region einen gewaltigen Zuwachs einbringt. Mit der Gigafabrik wäre Brandenburgs Wirtschaftswunder perfekt. 

Musk will in Grünheide auch eine große Batteriefabrik errichten. Der Autobauer verzichtete in der vergangenen Woche überraschend auf eine mögliche staatliche Förderung in Milliardenhöhe für die geplante Batteriefertigung, ohne dafür Gründe zu nennen. An den Plänen halte er aber fest.

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