Mythos Fluglärm: Was der neue Flughafen wirklich für Immobilienbesitzer bedeutet

Wirken sich Flughäfen negativ auf den Häusermarkt aus? Ganz im Gegenteil.

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Wirken sich Flughäfen negativ auf den Häusermarkt aus? Ganz im Gegenteil....

Fluglärm. Das Stichwort dürfte besonders Berliner an die Proteste erinnern, die manche Nachbarschaften im Berliner Südosten angestrengt hatten, um ihren Bedenken gegenüber dem Flughafenbau Verhör zu verschaffen.

Eine Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hat diese Proteste untersucht und ihre Teilnehmer zu ihren Motiven befragt. Das Ergebnis: 93 Prozent der Befragten fürchteten sich vor einem Wertverlust ihrer Grundstücke. Aber hat sich der Flughafenbau tatsächlich negativ auf die Preise anliegender Grundstücke und Immobilien ausgewirkt? Und stimmt es, dass die Flughafennähe die Lebensqualität der Anwohner senkt?

Aus wirtschaftlicher Betrachtung gibt es keine negativen Effekte

Dass Haus- und Grundbesitzern aufgrund des Flughafens Willy Brandt die Felle davonschwimmen würden, ist heute leicht widerlegt. Unbeeindruckt vom Flugverkehr sind die Bevölkerungszahlen Schönefelds und der Region rund um das Großprojekt in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Das war zu erwarten: Den gleichen wirtschaftlichen Impuls zeigten bereits Studien zu den Flughafenstandorten Düsseldorf, Frankfurt und München. Die erhöhte Nachfrage wirkte sich in allen Beispielen positiv auf die Immobilienpreise aus – so auch in Brandenburg und Berlin. Nur in ganz unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Flughafen konnten die Analysten von BulwienGesa in ihren Studien einen negativen Einfluss auf die Immobilienwerte ausmachen. 

Nach einer von der PRS Family Trust bei Wüest Partner Deutschland in Auftrag gegebenen Studie sind die Baulandpreise im Bereich der Gemeinde Schönfeld seit 2018 um 60 Prozent gestiegen. Im Zeitraum zwischen 2012 und 2018 war lediglich ein Anstieg um 47 Prozent zu verzeichnen. Eine andere, ebenfalls von Wüest Partner durchgeführte Studie zeigt, dass die Angebotsmieten in 26 untersuchten Brandenburger Gemeinden in Flughafennähe allein zwischen 2018 und Anfang 2021 um durchschnittlich 24,5 Prozent stiegen. Der Flughafenstandort Schönefeld gehört dabei zusammen mit Wustermark und Ludwigsfelde zu den drei am stärksten profitierenden Gemeinden.

Spürbare wirtschaftliche Impulse und ein starkes Wachstum verschafft der Flughafen auch den Gewerbemieten in der Region. Seit 2018 sei die steigende Büronachfrage bei Projekt- und Grundstücksentwicklungen deutlich spürbar, erklärte der Bürgermeister des unmittelbar an den BER angrenzenden Bezirks Treptow-Köpenick, Oliver Igel, auf einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr. Der aktuelle Boom in der Logistik- und Güterverkehrsbranche bestätigt den Trend der vergangenen Jahre erneut.

Dass sich die Flughafenregion weltweit als attraktive Lage für Unternehmensansiedlungen bewiesen hat, dafür stehen exemplarisch das neue Fertigungswerk des Elektro-Autoherstellers Teslas, der Wissenschaftspark Adlershof sowie die rund 7.300 Unternehmen, die sich seit 2001 in Brandenburg niedergelassen haben. Bereits lange vor seiner Eröffnung ist rund um den BER ein neuer Hightechstandort entstanden, der sich rasant weiterentwickelt. 

Flughäfen sind heute deutlich leiser als in der Vergangenheit

Aus wirtschaftlicher Betrachtung scheinen die Bedenken insofern unbegründet. Die Flughafennähe zeigt vor allem positive Effekte. Aber wie steht es um das Wohlbefinden der Anwohner? Hierauf gibt es keine ganz klare Antwort, denn Menschen reagieren sehr unterschiedlich sensibel auf äußere Einflüsse in ihrem Lebensumfeld. Mithilfe von Innovationen sind Flughäfen aber jedenfalls heute deutlich leiser als in der Vergangenheit.

Die durch den Flugverkehr erzeugten Geräusche zu reduzieren, helfen der technologische Fortschritt und wissenschaftlich entwickelte Flugverfahren. Das geräuscharme Startverfahren NADP1 (Noise Abatement Departure Procedure) ist dafür ein geeignetes Beispiel: Mit dem A380 gelang es Airbus 2006 ein modernes Großraumflugzeug zu konstruieren, das deutlich leiser ist als vergleichbare andere Maschinen. Auch durch veränderte Landeverfahren ist es Flugzeugbetreibern gelungen, die von Anwohnern wahrgenommenen Geräuschpegel deutlich zu reduzieren. 

In Deutschland bestimmt das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (FluglärmG), dass für Verkehrsflughäfen mit Fluglinien- und Pauschalflugreiseverkehr ein Lärmschutzbereich festzusetzen ist. Innerhalb dieses Bereichs haben Hauseigentümer Anspruch auf eine Finanzierung von Schallschutzmaßnahmen. Den baulichen Schallschutz erhalten auch Einrichtungen wie etwa Schulen und Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Seniorenwohnheime.

Zusätzlich erheben die deutschen Flughäfen geräuschbezogene Start- und Landeentgelte: Je lauter eine Maschine ist, desto höher die Gebühr, die die Betreibergesellschaft bezahlen muss, wenn sie einen Flughafen nutzen will. Den Flugunternehmen wird so ein Anreiz gegeben, leisere Maschinen zu kaufen.

Informieren Sie sich über die Entwicklung der BER-Region anhand unserer Standortanalyse.

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