Kostencheck Berlin und Umland: Wie teuer ist das Leben in der BER-Region?

Günstig oder teuer? Der erste regionale Preisindex für Deutschland offenbart, wo man rund um Berlin preiswert leben und shoppen kann. Foto: Adobe Stock

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Die Wohn- und Lebenshaltungskosten in den Berliner Umlandkreisen sind sehr unterschiedlich. Laut einer Ende Oktober veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sind die Ausgaben für Miete, Strom, Gas und Lebensmittel im Landkreis Spree-Neiße am niedrigsten und in Potsdam am höchsten. Wir zeichnen die Ergebnisse nach, erläutern, wo es rund um Berlin besonders günstig oder teuer ist. ...

Wie teuer ist das Wohnen und Leben in Deutschland? Die Antwort auf diese Frage ist von hoher Relevanz, denn sie hilft Singles, Paaren und Familien herauszufinden, ob sie trotz eines hohen Einkommens vielleicht viel zu viel bezahlen – und wo es sich in Deutschland zumindest preislich eher günstig oder überdurchschnittlich teuer leben lässt. Das Problem: Einen regionalen Preisindex, also einen auf das gesamte Land bezogenen statistischen Vergleich des Preisniveaus einer bestimmten Region, gab es für Deutschland nicht. Bis jetzt. Denn Ende Oktober haben das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBR) Daten für genau einen solchen Index vorgelegt. So neu dieser Vergleich ist, so besonders ist auch die Methode, mit der er erhoben wurde (wer sich für die Details interessiert, findet sie im Kasten ® „So wurde der regionale Preisindex ermittelt“)

Günstiges Großstadtleben in Berlin

Uns interessiert natürlich die regionale Frage: Sind die Lebenshaltungskosten in Berlin und im Berliner Umland besonders hoch oder niedrig? Dazu müssen wir kurz klären, wie ein Preisindex überhaupt aufgebaut ist. Für jede Warengruppe wird ein Durchschnittspreis für ganz Deutschland berechnet. Dieser erhält den Indexwert 100. Die Preise für die einzelnen Regionen werden separat ermittelt und dann mit dem Durchschnittswert für Deutschland ins Verhältnis gesetzt. Zur Verdeutlichung: Die mit Abstand teuerste Region in Deutschland ist die Stadt München. Hier liegt der Preisindex bei 125,1. Damit sind die Lebenshaltungskosten in der bayerischen Landeshauptstadt 25,1 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt.

Im Metropolenvergleich schneidet Berlin gut ab: Die Hauptstadt bietet viel und überzieht den Preisrahmen nicht übermäßig. Foto: Pexels / Sebastian Luna

Ein Blick in die Ergebnistabellen zeigt: In Berlin lebt es sich im bundesweiten Vergleich relativ günstig – zumindest für eine Großstadt, die so viel zu bieten hat wie die Spreemetropole. Die Preise in der Hauptstadt liegen nur 5,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Mit einem Preisindex von 105,5 belegt Berlin im Ranking der teuersten Kreise Deutschlands „nur“ Platz 38. Die Top 5 der kostenintensivsten Kreise liegen alle im Süden; das sind neben dem bereits erwähnten München der Landkreis München (16,7 Prozent über dem Durchschnitt), Frankfurt am Main (15,9 Prozent), Stuttgart (14,8 Prozent) und der Landkreis Starnberg (14,3 Prozent). Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Kreise, in denen das Leben besonders günstig ist – viele davon im Osten der Republik. Sehr günstig sind die Lebenshaltungskosten beispielsweise im thüringischen Landkreis Greiz (-9,5 Prozent unter dem Durchschnitt), im benachbarten Vogtlandkreis (-9,5 Prozent), in Görlitz (-9,4 Prozent) oder Zwickau (-8,6 Prozent).

Berliner Umland: Potsdam ist teuer, nach Osten wird’s günstiger

Richtet man den Blick auf Berlin und die unmittelbar angrenzenden Landkreise (siehe Karte ®Regionaler Preisindex um Berlin), so überrascht, dass nicht Berlin, sondern Potsdam mit einem Index von 106,6 (also +6,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt) am teuersten ist. Vergleichsweise teuer wohnt es sich auch in den Boomregionen Dahme-Spreewald (+1,3 Prozent), Potsdam-Mittelmark (+0,9 Prozent) und nördlich von Berlin im Kreis Oberhavel (+0,3 Prozent). Östlich der Metropole kann man beim täglichen Lebensmitteleinkauf richtig sparen: In Oder-Spree sind es 3,0 Prozent und in Frankfurt (Oder) sogar 5,7 Prozent. Auch im Nachbarkreis des Flughafens, in Teltow-Fläming, sparen die Einwohner 2,2 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt.

Wohnkosten sind das Zünglein an der Waage 

Was aber beeinflusst die Lebenshaltungskosten mehr als alles andere. Es sind die Wohnkosten. Das Institut der deutschen Wirtschaft schreibt: „Von herausragender Bedeutung für den regionalen Preisindex sind die Wohnkosten, da sie stark variieren und mit einem hohen Gewicht in die Berechnungen eingehen. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Kosten für das Wohnen die regionalen Preisunterschiede dominieren.“  

Potsdam – hier das holländische Viertel – ist schön, aber teurer als Berlin. Foto: Landeshauptstadt Potsdam / Robert Schnabel

Das gilt auch für Berlin und sein Umland. Die Hauptstadt selbst teilt sich erneut mit Potsdam die höchsten Wohnkosten: In Berlin sind es +17,8 Prozent, in Potsdam sogar +20,1 Prozent, die die Einwohner hier mehr fürs Wohnen ausgeben müssen als im Rest Deutschlands. Im Vergleich ist das Wohnen in der brandenburgischen Landeshauptstadt um 46 Prozent teurer als etwa im wesentlich kleineren Frankfurt (Oder). Ansonsten ist das Wohnen im Landkreis Dahme-Spreewald, der florierenden Region um den Hauptstadtflughafen BER, am teuersten (+5,9 Prozent). Es folgen Potsdam-Mittelmark (+3,5 Prozent) und Oberhavel (+3,0 Prozent), die alle über dem deutschen Durchschnitt liegen. Vergleicht man die Landkreise im Südosten Brandenburgs, so sind die Wohnkosten in Dahme-Spreewald fast 46 Prozent höher als in Spree-Neiße. Die günstigsten Landkreise sind Prignitz (-25,9 Prozent) und Elbe-Elster (-26,5 Prozent).

So wurde der regionale Preisindex ermittelt

Der neu entwickelte regionale Preisindex des IW und des BBR basiert im Wesentlichen auf Daten, die mittels „Web Scraping“ erhoben wurden. Das heißt, die Daten wurden automatisch aus den Internetauftritten großer Handelsketten und Vergleichsportale extrahiert. Vom Einzelhändler REWE über Stromvergleichsportale, Kinos, Reiseveranstalter bis hin zu einer Plattform für Bestattungskosten war so ziemlich alles dabei, was die Preise in verschiedenen Lebensbereichen erfasst. Durch diese Methode, so die Autoren der Studie, sei eine hohe Datenqualität und Aktualität gewährleistet, da die Daten nicht manuell eingegeben werden müssen. Das IW spricht daher auch von einem Big-Data-Ansatz. Eine regelmäßige Aktualisierung der Daten ist möglich und vorgesehen. Der Index wurde im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten Forschungsvorhabens entwickelt. Der regionale Preisindex orientiert sich am Warenkorb des Statistischen Bundesamtes zur Ermittlung des Preisindex für die Lebenshaltung. Wer gern selbst einen Blick in die Studie werfen will, kann dies hier tun (PDF-Download).

Stand: 13.11. 2023, Irrtum vorbehalten. 

Informieren Sie sich über die Entwicklung der BER-Region anhand unserer Standortanalyse.

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