Drei Jahre BER-Flughafen: Erfolgsmodell mit Startschwierigkeiten

Abbildung 1 | Der Hauptstadtflughafen gewinnt im dritten Jahr seines Bestehens mehr und mehr Fluggäste hinzu. Foto: Flughafen Berlin Brandenburg / Günter Wicker

Beitrag teilen:

Die Region Dahme-Spreewald hat in den letzten drei Jahrzehnten einen rasanten wirtschaftlichen Wandel von einer strukturschwachen zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen Ostdeutschlands vollzogen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg (BER). Trotz finanzieller Herausforderungen entwickelt sich der Hauptstadtflughafen im dritten Jahr seines Bestehens positiv. Doch es bleibt noch viel zu tun, um nicht nur die Region, sondern auch den Airport selbst zu beflügeln.

Man kann die Entwicklung des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) nicht verstehen, wenn man sie nicht zunächst in einen größeren Zusammenhang stellt – in die Entwicklung der Region.

Von der Rand- zur Boomregion

Als der Brandenburger Landtag im April 1993 die Fusion der Kreise Königs Wusterhausen, Lübben und Luckau zum Landkreis Dahme-Spreewald beschloss, war die Skepsis in der Region groß. Das Gebiet galt als strukturschwach und abgelegen. Doch 30 Jahre später hat sich Dahme-Spreewald zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen Ostdeutschlands entwickelt. In den ersten Jahren nach der Gründung des Landkreises siedelten sich vor allem Handels- und Dienstleistungsunternehmen an. Die Lage im Berliner Umland und die gute Verkehrsanbindung waren für diese Unternehmen besonders attraktiv.

Die Wirtschaft blüht auf …

Dann kam die Entscheidung von Bund und Land, den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld zu bauen. Ganz geräuschlos ging das nicht über die Bühne: Die Anwohner fürchteten Lärm und Umweltbelastungen. Bauverzögerungen und Kostensteigerungen am BER taten ein Übriges, um das Vertrauen in die Flughafenpläne zu erschüttern. Trotz dieser Spannungen war der BER ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung in Dahme-Spreewald. Die Aussicht auf einen neuen Hauptstadtflughafen lockte viele Unternehmen und viel Geld in die Region.

… aber der Flughafen selbst bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Abbildung 2 | Die Vergangenheit: Mit einer Flugzeugtaufe wird der BER-Flughafen am 31. Oktober 2020 mitten im schlimmsten Corona-Jahr eröffnet. Foto: Flughafen Berlin Brandenburg

Der Flughafen selbst leidet – so scheint es – unter dem bösen Omen, jahrelang eine Baustelle gewesen zu sein und dann ausgerechnet in der Hochphase des ersten Corona-Jahres eröffnet zu werden. Denn: So richtig abgehoben ist der Hauptstadtflughafen noch nicht. Immerhin gibt es Lichtblicke. Im vergangenen Jahr 2022 konnte der BER erstmals seit seiner Eröffnung einen Gewinn verbuchen. Nach hohen Verlusten in den Jahren 2020 und 2021 erzielte die Flughafengesellschaft ein positives Geschäftsergebnis von 57 Millionen Euro. Trotz dieses Erfolgs weist die Betreibergesellschaft aufgrund der finanziellen Belastungen durch den Bau des BER in Schönefeld unter dem Strich einen Konzernjahresfehlbetrag von 90 Millionen Euro aus.

Im Vergleich zu 2021 hat sich das Passagieraufkommen am BER allerdings auf knapp 20 Millionen verdoppelt. Dennoch liegt das Fluggastaufkommen immer noch deutlich (44 Prozent) unter dem Niveau vor der Corona-Krise. Im Jahr 2019 hatten die Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen knapp 36 Millionen Passagiere gezählt, eine Zahl, die die Flughafengesellschaft erst wieder für das Jahr 2029 erwartet. BER-Geschäftsführerin Aletta von Massenbach kündigte an, dass die Flughafengesellschaft bis 2026 finanziell auf eigenen Beinen stehen will. Die hohe Verschuldung wurde unter anderem durch den Verkauf von zwei nicht benötigten Grundstücken um 700 Millionen Euro reduziert.

Airlines: Ryanair ist die Nummer eins

Die meisten Passagiere am BER fliegen ins europäische Ausland, der Interkontinentalverkehr liegt 30 Prozent unter dem Niveau vor Corona. Für das Jahr 2023 prognostiziert die Flughafengesellschaft 23 Millionen Passagiere, von Januar bis April wurden bereits ein Drittel mehr Fluggäste gezählt als im Vorjahreszeitraum.

Bei den Airlines gibt es am BER eine klare Rangfolge: Im Jahr 2023 hat Ryanair die Position als führende Airline übernommen. Mit einem Marktanteil von nunmehr 19 Prozent verdrängte die irische Fluggesellschaft den bisherigen Spitzenreiter Easyjet auf den zweiten Platz. Ryanair hat ihr Flugangebot am BER im vergangenen Jahr deutlich reduziert, von 18 auf nur noch elf stationierte Flugzeuge. Auf Platz drei liegt nach einer aktuellen Aufstellung der Flughafengesellschaft die Lufthansa, gefolgt von ihrer Tochter Eurowings. Eurowings beschäftigt derzeit über 220 Mitarbeiter in der Hauptstadtregion.

Mehr Service: BER gewinnt Airport Innovation Award 2023

Was der Flughafen mit Masse nicht schafft, muss er mit Klasse aufholen – oder anders gesagt: mit Service. Dazu gehören verschiedene Innovationen, die das Reisen am BER angenehmer machen sollen. Zu diesen Serviceelementen gehört beispielsweise „BER Runway“, bei dem Passagiere bereits zu Hause ein Zeitfenster für die Sicherheitskontrolle buchen können, um vor Ort Zeit zu sparen. Auch ein umfassender Self-Service Check-in steht zur Verfügung.

Abbildung 3 | Die Gegenwart: Innovationen wie BER Traveller mit Gesichtserkennung sollen das Reisen schneller und angenehmer machen. Foto: Flughafen Berlin Brandenburg/Ekaterina Zershchikova

Unter dem Namen „BER-Traveller“ wird ein Gesichtserkennungsdienst getestet, der den Zugang ohne Bordkarte ermöglichen soll. Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer Operations am BER, betont, wie innovativ und sicher diese neue Möglichkeit ist: „Bei unserer Lösung speichern wir die Daten eines Passagiers nicht, sondern sie bleiben auf seinem eigenen Smartphone. Wir wollen der erste Flughafen der Welt sein, der diesen Service für alle Fluggesellschaften am Standort anbietet.“
Für diese Serviceleistung wurde der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kürzlich mit dem Airport Innovation Award ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung am 14. November 2023 in London setzte sich der BER im Finale gegen sieben weltweit führende Flughäfen wie Doha, Wien, Frankfurt und Amsterdam durch.

Erste Entwürfe für das neue Quartier des ehemaligen Terminals 5

Abbildung 4 | Die Zukunft: Eine Idee für das neue Stadtquartier mit vielen Bäumen, Schwebebahn und Kletterwand. Bild: FABRICations

Auch das neue Stadtquartier SXF2.0 im ehemaligen Terminal 5 nimmt Gestalt an (wir berichteten) – zumindest auf dem Zeichentisch. Für den Ideenwettbewerb hat die Flughafengesellschaft die Architekturbüros COBE Berlin, FABRICations und MLA+ gewonnen. Alle drei Entwürfe knüpfen an die historische Bedeutung des Flughafengeländes an und integrieren das ehemalige Terminal 5 des BER als forschungsnahen Veranstaltungsort oder Raum für kulturelle Begegnungen. Im Mittelpunkt der Entwürfe steht ein vielfältiger Nutzungsmix für das gewerblich geprägte Areal: Kongress- und Begegnungsmöglichkeiten, Prototyping und urbane Produktion, temporäres Wohnen und die Verbindung von Kunst und Kultur sollen eine Rolle spielen. Erste Entwürfe sind vielversprechend.

Stand: 11.12. 2023, Irrtum vorbehalten. 

Informieren Sie sich über die Entwicklung der BER-Region anhand unserer Standortanalyse.

Kostencheck Berlin und Umland: Wie teuer ist das Leben in der BER-Region?

Die Wohn- und Lebenshaltungskosten in den Berliner Umlandkreisen sind sehr unterschiedlich. Laut einer Ende Oktober veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sind die Ausgaben für Miete, Strom, Gas und Lebensmittel im Landkreis Spree-Neiße am niedrigsten und in Potsdam am höchsten. Wir zeichnen die Ergebnisse nach, erläutern, wo es rund um Berlin besonders günstig oder teuer ist.

Weiterlesen »

Abschied vom Terminal 5

Das Terminal 5 des ehemaligen DDR-Flughafens Schönefeld ist Geschichte. Anfang September gab es ein großes Abschiedsfest, mit dem gleichzeitig das 20-jährige Bestehen der Gemeinde Schönefeld gefeiert wurde. Es gab viel Ostalgie, aber auch einen optimistischen Blick nach vorn auf den neuen Stadtteil SXF 2.0, für den bereits erste Ideen entwickelt werden.

Weiterlesen »

Rauf aufs Rad und ab in die Sonne: drei herrliche Radausflüge im Berliner Süden

Der Sommer regiert Berlin und die grüne Umgebung der Hauptstadt. Für spannende und erholsame Radtouren braucht es nicht viel, denn die Region bietet herrliche Radwege und viel Natur! Die zahlreichen Rad- und Wanderwege entlang der Flüsse und Seen verbinden die attraktivsten Sehenswürdigkeiten und gastronomischen Highlights des Bezirks. Wir haben drei Vorschläge für Rundtouren für Sie zusammengestellt.

Weiterlesen »

Kontakt