Die neue Stadtflucht: Immer mehr Berliner ziehen ins Umland

Werden Büroräume frei, weil die Arbeitnehmer im Homeoffice bleiben, oder kehrt sich der Trend wieder um?

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Fast jeder zweite Berliner spielt mit dem Gedanken, die Stadt zu verlassen. Viele wollen aufs Land. Das liegt vor allem an den hohen Mietpreisen in der Hauptstadt. Doch auch in Brandenburg wird Wohnen teurer. ...

Zu hohe Mieten, zu hektisch, zu laut: Laut einer vom rbb in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage sind 4 von 10 Berlinern auf der Suche nach einer neuen Wohnung. 36 Prozent würden sogar gerne die Stadt verlassen. Das entspricht anteilig an Berlins aktueller Bevölkerung mehr als 1,3 Mio. Menschen. Rund 15 Prozent der Befragten, ergo 500.000 Menschen, würden am liebsten aufs Land.

Die Gründe? Berlin sei vor allem zu teuer. 59 Prozent der Befragten nannten die hohen Mieten für die Überlegung als wichtigsten Grund. Platz zwei belegen mit 56 Prozent Hektik und Lärm. 41 Prozent nannten “mangelnde Sicherheit” als Motivator, 31 Prozent “schlechte Luft”. Ebenfalls eine Rolle gespielt haben dürfte die aus der Pandemie erwachsene neue Arbeitskultur, die in vielen Fällen das Arbeiten von zuhause aus öfter möglich macht. Dadurch wird kurzfristig das Landleben für viele Städter zur attraktiven Option. Doch wie nachhaltig sich Deutschlands Bürokultur wirklich verändert hat, stellte unsere letzte Recherche in Frage.

Für die Online-Umfrage wurden 1.000 Teilnehmer gefragt. Gefragt worden war: “Sind Sie zufrieden oder möchten Sie gerne umziehen?” Vor allem junge Paare mit Kindern und Frauen entschieden sich in der Befragung gegen die Hauptstadt.

Brandenburgs Mieten und Kaufpreise steigen

Sich von der Hauptstadt zu verabschieden ist indes gar nicht so einfach. Schließlich steigen auch in Brandenburg Mieten und Kaufpreise unerbittlich. Lagen die Kaufpreise noch vor zehn Jahren im Durchschnitt bei 50 Euro pro Quadratmeter, haben sie sich mittlerweile verdreifacht.

Wirklich günstigen Wohnraum sucht man in Brandenburg also vergeblich, es sei denn, man verzichtet auf eine gute Anbindung an die Stadt. Wer Wohnraum kaufen will, findet in nur noch fünf Landkreisen an Brandenburgs äußeren Rändern Quadratmeterpreise unter 100 Euro.

Je näher an Berlin hingegen Immobilien liegen, desto teurer schlägt der Kaufpreis zu Buche: Mit 300 Euro und aufwärts pro Quadratmeter führen Märkisch-Oderland, Oberhavel und Barnim die Liste an.

Auch die Mietpreise stiegen besonders in den vergangenen Jahren noch einmal kräftig: Allein von 2018 bis Anfang 2021 legten die Angebotsmieten um durchschnittlich 24,5 Prozent zu.

Brandenburg ist immer noch deutlich günstiger als Berlin

Zu den großen Gewinnern im Derby um die hohen Preise zählten erwartungsgemäß die Regionen rund um den vor einem Jahr eröffneten Flughafen “Willy Brandt”. Während sich die Verteuerung für große Teile Brandenburgs mit Berlins Wohnungsnot gut erklären lässt, wird sie im Berliner Südosten durch den dortigen Wirtschaftsboom noch beträchtlich beschleunigt. Faktoren wie der neue Flughafen, die Ansiedlung Teslas und zahlreicher Hidden Champions versprechen einen langfristigen Trend. Dementsprechend stiegen die Mieten in Schönefeld und Ludwigsfelde am stärksten.

Trotzdem wohnen Mieter in Brandenburg immer noch deutlich günstiger als in Berlin. Laut des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) lagen Brandenburgs Mieten im Vorjahr durchschnittlich 14 Prozentpunkte unter denen der Hauptstadt.

Laut Mietspiegel lag die Nettokalt-Durchschnittsmiete Berlins vergangenes Jahr bei 6,79 Euro je Quadratmeter. Berlins Speckgürtel kam auf durchschnittlich 5,83 Euro. Im Land Brandenburg insgesamt zahlten Mieter 5,28 Euro, in den berlinfernen Regionen durchschnittlich 4,98 Euro. Selbst Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam, deren Immobilienpreise besonders rasch steigen, lag mit 6,10 Euro noch deutlich unter dem Berliner Niveau.

Informieren Sie sich über die Entwicklung der BER-Region anhand unserer Standortanalyse.

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