Anlaufprobleme: Das bedeutet Corona für den Flughafen BER

Auswirkungen auf den Immobilienmarkt bleiben bislang aus

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Nach 14 Jahren Bauzeit ist er endlich eröffnet. Doch nun hat der Flughafen Willy Brandt schwer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Auswirkungen auf den Immobilienmarkt bleiben bislang aus......

Eigentlich sollte am neuen Berliner Verkehrsflughafen Willy Brandt (BER) bereits seit September vergangenen Jahres Hochbetrieb herrschen. Nach der Schließung des Flughafen Tegels entfällt Berlins Flugverkehr schließlich vollständig auf den neuen Standort in Schönefeld. Zu erwarten gewesen wären für 2020 ausgehend von den Zahlen des Vorjahrs eigentlich mehr als 35 Mio. Passagiere, doch gekommen ist nur ein Bruchteil davon. 

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland sind die Fluggastzahlen am drittgrößten Airport des Landes seit April letzten Jahres dramatisch eingebrochen. So wurden in der gesamten Zeit zwischen April und Dezember nur noch 2,2 Mio. Passagiere vom BER aus befördert – genauso viele reisten alleine im Januar 2020. 

Die Pandemie stürzt den Flughafen in ein wirtschaftliches Debakel. Vor der Corona-Krise seien in Berlin täglich etwa 100.000 Fluggäste gezählt worden, jetzt seien es nur 10.000, sagte Engelberg Lütke Daldrup, Chef der Flughafengesellschaft FBB, in einem Interview mit dem rbb. Um die Betriebskosten abzudecken, brauche der Flughafen 20 Mio. Fluggäste jährlich, 2020 habe man davon nur die Hälfte gehabt. Der Flughafen mache derzeit täglich 1 Mio. Euro Verlust.

Um die Flughafengesellschaft FBB vor dem Ruin zu bewahren, erhielt sie vergangenes Jahr rund 300 Mio. Euro Corona-Hilfen. In diesem Jahr müssen die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und Bund dem Flughafen sogar ein Darlehen in Höhe von 660 Mio. Euro ermöglichen, damit die FBB die Viren-Krise wirtschaftlich übersteht. 

Um die Betriebskosten zu senken, läuft der Flughafen bereits im Sparmodus: Das Nord- und das Südpier sind stillgelegt worden, auch das Terminal 5, also der alte Flughafen Schönefeld, inklusive Läden und Gastronomie ist seit 23. Februar dicht. Das für “Billigflieger” gebaute Terminal 2 und die Südstartbahn werden ebenfalls nicht genutzt. Durch die Maßnahmen sinken die Kosten für Personal, Gebäudeunterhalt und Flugbetriebsabläufe. 

Weltweit schafft die Corona-Krise eine äußerst schwierige Situation für die gesamte Luftfahrtbranche. Um die Flughafengesellschaft FBB vor dem Ruin zu bewahren, erhielt sie vergangenes Jahr rund 300 Mio. Euro Corona-Hilfen.
Am Immobilienmarkt in der Region rund um den BER lassen sich derzeit keine direkten Auswirkungen der Flughafenkrise ausmachen. Im Gegenteil, durch Corona scheint das Interesse am Wohnen im Umland sogar gestiegen.

Lütke Daldrup, der noch bis September seinen Posten räumt, hofft durch die teilweise Schließung des Flughafens dieses Jahr bis zu 25 Mio. Euro zu sparen. Trotzdem erwartet er, dass sich diese Krise noch weiter verschärfen wird. Berlins Flughafenchef glaubt, dass der Flugverkehr nicht vor 2025 wieder auf das Vor-Corona-Niveau ansteigen wird. 

Weltweit schafft die Corona-Krise eine äußerst schwierige Situation für die gesamte Luftfahrtbranche. Die knapp der Pleite entgangene Lufthansa zum Beispiel hat im vergangenen Jahr den höchsten Verlust ihrer Firmengeschichte gemacht. Nach Angaben des MDAX-Konzerns belief sich der Nettoverlust – trotz massiver Kostensenkungen – auf 6,7 Mrd. Euro. Die Vorausbuchungen für den Sommer lägen derzeit 78 Prozent unter 2019. Der Flughafenverband warnt: jeder vierte der 180.000 Arbeitsplätze an den Airports in Deutschland sei durch die Pandemie bedroht. 

Immerhin: Am Immobilienmarkt in der Region rund um den BER lassen sich derzeit keine direkten Auswirkungen der Flughafenkrise ausmachen. Im Gegenteil, durch Corona scheint das Interesse am Wohnen im Umland sogar gestiegen. So überholten laut ZEIT ONLINE im vergangenen Jahr zum ersten Mal überhaupt die Preissteigerungen im Speckgürtel die Steigerungen in Berlin. Besonders deutlich zeigt sich das in Bestensee, das 2020 einen Anstieg der Mieten im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent verzeichnete.

Experten gehen von einem deutlichen Entwicklungsschub für die gesamte Region südöstlich der Hauptstadt aus. Mittelfristig will Brandenburg zu den 50 Topregionen in Deutschland gehören. Bis das Virus besiegt ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Informieren Sie sich über die Entwicklung der BER-Region anhand unserer Standortanalyse.

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